Wirtschaftswissenschaften

Angewandte Informatik

Die IT-Welt von Morgen hält eine Vielzahl von Herausforderungen für digitale Unternehmen bereit. Software-Systeme müssen immer schneller bereitgestellt und angepasst werden. Sie enthalten immer öfter Anteile klassischer Informations­systeme und Anteile eingebetteter, teilautonomer Systeme. Dazu sind passende Entwicklungsprozesse erforderlich. Der Lehrstuhl für Software Engineering insb. mobile Anwendungen von Prof. Volker Gruhn erforscht, wie solche Softwareprozesse im Zeitalter der Digitalisierung kompletter Unternehmen gestaltet werden sollten. Ein wichtiges Forschungsergebnis ist der Interaction Room. Im Interaction Room werden Wert- und Risikotreiber in Projekten methodisch identifiziert, um Entscheidungen für den Projektverlauf zu treffen. Dazu werden in einem physikalischen Raum Projektaspekte aus verschiedenen Sichten visualisiert, um wichtige und erfolgskritische Schwerpunkte früh im Projekt zu erkennen. Ein anderer Forschungsschwerpunkt ist das Beschreiben (inklusive Gestensteuerung) und Testen mobiler Software­systeme. Diese Forschungsschwerpunkte werden grundlagenorientiert, anwendungsnah und in Form kontinuierlicher Praxiserprobung bearbeitet. Ein Beispiel für die grundlagenorientierte Forschung ist das DFG-Projekt AUTEM, in dem es um die frühzeitige Erkennung semantischer Fehler in der Modellierung von Geschäftsprozessen geht. Ein Beispiel für die anwendungsnahe Ausrichtung ist das BMWi-Projekt Symphony, in dem sowohl technische Voraussetzungen als auch Anreiz­systeme entwickelt werden, um TK-Dienste für Anbieter und Kunden komfortabler, flexibler und transparenter zu gestalten. Durch die Entwicklung eines Marktplatzes und einer Plattform sollen TK-Unternehmen ihre Dienstleistungen in einer Form anbieten können, die es Geschäftskunden ermöglicht, Dienste verschiedener Anbieter individuell auszuwählen, flexibel zu kombinieren und zu verwalten. Praktische Erprobungen, insbesondere des Interaction Rooms, erfolgen in ­bilateralen Projekten mit Partnern wie Barmenia, RWE, eon, adesso, Sonepar und Allianz. Unter der Marke CampusLab unterstützt der Lehrstuhl zahlreiche Unternehmen bei der berufsbegleitenden Weiterqualifikation der MitarbeiterInnen in aktuellen, praktischen IT-Themen.

Die Bedeutung des Internets für wirtschaftliche und soziale Zwecke nimmt immer weiter zu, insbesondere durch die Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets. Durch die gestiegene Vielfalt der Dienste, der erhöhten Komplexität und der gestiegenen Anforderungen von NutzerInnen, Netz- und Dienstanbietern ­ergeben sich neue Herausforderungen, die neue Mechanismen zum Verkehrsmanagement im ­Internet benötigen. Zur Untersuchung dieser komplexen Systeme sowie zur Bewertung hinsichtlich Wirtschaftlichkeit für Betreiber und vom Endanwender erfahrenen Dienstgüte (Quality of Experience, QoE) werden am Lehrstuhl „Modellierung adaptiver Systeme“ von Prof. Tobias Hoßfeld geeignete Modelle entwickelt. Das Ziel ist eine Verbesserung der Systeme für alle in­volvierten Akteure und tatsächlich auftretende Probleme aus der Praxis zu lösen.

In dem DFG-Projekt „ÖkoNet“ wird beispielsweise die effiziente Verteilung von adaptiv gestreamten Videoinhalten in zukünftigen inhaltezentrierten Netzen untersucht. Weiterhin wird der Anwendungsfall des Mobile Cloud Computing betrachtet und hinsichtlich des Energieverbrauchs der Endgeräte, Signalisierungslast im Mobilfunknetz, QoE und der Kosten evaluiert. Dabei gewinnt auch der energieeffiziente Betrieb von ­Datenzentren zunehmend an Bedeutung. Energieeinsparungen führen in der Regel zur Verknappung verfügbarer IT-Ressourcen, was reduzierte Dienstgüte und schlechte QoE zur Folge hat. Die gemeinsame Optimierung beider Ziele wird in dem DFG-Projekt „QoE-DZ“ untersucht.